Paul F. Gorman

Die Kunst des Seins1

1. Teil

Wunder werden erlebt, wenn sich das individuelle Gewahrsein vom persönlichen, materiellen Sinn, welcher versucht Wahrheit zu studieren oder zu erreichen, ins Bewusstsein des „Ich-bin-das“ erhebt.

Der Schlüssel zu allen Schriften, zu der gesamten Botschaft, die uns vom Meisterbewusstsein, Jesus, und von allen Propheten und Sehern zu allen Zeiten gegeben wurde, ist das Seinanstelle des „Suchens“.Das Sucher-Bewusstsein findet niemals, es kann nur fortwährend suchen.Das Ich-bin-Bewusstseinistund schaut Wahrheit alsalles Sein, alle Form, jede Aktivität und jeden Ort der Erfahrung.

Das, was du bewusst bist, ist als deine Erfahrung verkörpert, denn BewusstseinistErfahrung. Niemand kann dem Bewusstsein entkommen, welches er oder sie ist,ebensowie der Ozean seinem Nass-Sein oder die SonneihremHeiß-Sein nicht entkommen kann.

Wenn du etwas glaubst oder akzeptierst, ist dieses etwas in deiner Erfahrung „wirklich“. Du bistder Glaube, den du glaubst und die Akzeptanz dessen,wasdu akzeptierst.Da Bewusstsein – „Sein-heit“ – Erfahrung ist, ist der Glaube und die Akzeptanz, die du bist, deine konkrete Erfahrung des Lebens – von Personen, Dingen, Orten und Zuständen. Du kannst dem nicht entkommen. Es ist nicht leicht dies zu hören, wenn wir uns inmitten eines scheinbar unlösbaren Problems befinden. Es ist jedoch der Schlüssel zur raschen Freiheit von nicht nur dem jeweiligen Problem, welches uns gegenwärtig verfolgt, sondern von allen Problemen. In dem Moment, da wir beständig spirituelles Sein sind, sind wir frei im Geiste. Kein Problem kann uns berühren oder länger als einen kurzen Moment in unserer Erfahrung bleiben.

Siehst du also, dass dein Glaube an Gott (Geist2)undMaterie deine Erfahrung mit Gott und Materiefüllt – zwei voneinander getrennte und unterschiedliche Zustände der Erfahrung, von denen einige Aspekte harmonisch, friedlich und freudig sind und andere unharmonisch, aufgewühlt und unbefriedigend – und du mit der Unvereinbarkeit dieser beiden Zustände leben musst? Jedoch kannst du zu jeder Zeit – in dieser Stunde – erkennen, dass tatsächlich und wortwörtlich nur Gott, Geist, ist; dass es nicht zwei Zustände des Einen gibt, sondern einzig den einen allgegenwärtigen Zustand, welcher Liebe, Leben, Harmonie, Frieden und Freiheit aller ist. Wenn wir uns individuell in dieses wahre Gewahrsein des Seins erheben, erleben wir unser „neues“ Bewusstsein als die Wahrheit und die Freiheit der Erfahrung.

Sein ist der ganze Schlüssel. Daher lautet die einzige Frage, die wir jemals stellen müssen: „Was bin ich? Wessen bin ich gewahr, Gott (Geist) oder Materie? Was halte ich für die Wirklichkeit, Gott (Geist) oder Materie?“ Unsere individuelle Antwort darauf ist der Grund für die Erfahrung, die wir individuell haben, denn „Sein“ oder „Bewusstsein“ ist Erfahrung.

Einzig das Wunder selbst zu sein – anstelle zu versuchen, sich damit zu „verbinden“ oder sich darauf „einzustimmen“, damit „eins zu werden“, oder es irgendwie „sichtbar“ werden zu lassen – offenbart es in und als unsere konkrete Lebenserfahrung. 

Studiere“ niemals Wahrheit! Du musst dies ebenso wenig tun, wie der Sonnenstrahl die Sonne studieren muss. Du, ich und alle Wesen sindbereits Geist und habenalles, was Geist hat. „Sohn, ich bin allezeit bei dir, und alles, was mein ist, das ist dein.“

Wahrheit zu studieren und zu „versuchen“, sie zu „demonstrieren“, bedeutet nicht, und kann nicht bedeuten, der eine Seiende, die eine Präsenz zu sein. Daher wird auch nach Monaten, Jahren, oder Jahrzehnten auf dem „spirituellen Weg“ immer noch Anstrengungerfahren. Das war meine Erfahrung und ich weiß, dass es die Erfahrung der meisten ist.

So stellt sich die Frage: „Warum?“ Wir geben unser Bestes. Wir lesen, wir hören, wir besuchen Retreats, wir versuchen – jeden Tag versuchen wir und versuchen erneut und erneut – aber es ist nur wenig wirkliche Sichtbarkeit und Spürbarkeit spiritueller Gesundheit, Harmonie, Erfüllung, und Frieden in unserer täglichen Lebenserfahrung offenbar.

Nun, wenn nur wenig davon offenbar ist, dann bedeutet dies, dass nur wenig Geist in und als unser individuelles Bewusstsein offenbar ist! Wir befinden uns immer noch „auf dem Weg“ – aber es gibt keinen Weg. Das mag dich überraschen.Es gibt keinen Weg. Es gibt einzig die eine, reine, vollständige Präsenz – allgegenwärtig an jedem Punkt der Unendlichkeit zur gleichen Zeit. Wo sollte oder könnte daher ein „Weg“ sein? Jeder Quadratmeter Boden, auf dem du stehst, jeder Kubikzentimeter Raum, den du ausfüllst, jeder Moment des Gewahrseins, den du lebst, ist, trotz der Weise, in welcher der Verstand ihn interpretiert, tatsächlich heiliger Boden. „Der Ort, wo du stehst, ist heiliges Land“, wurde Moses gesagt.Dort, wo du dich in dieser Minute befindest, ist ganzer Boden, die Ganzheit des Raums, das Ganze des Lebens, das Ganze der Liebe, das Ganze des Wohlstands, das Ganze der Aktivität, das Ganze der Zufriedenheit, des Glücks und der Erfüllung. Es ist göttliche, erhabene Perfektion, Vollständigkeit, äußerste Freude, Seligkeit, Wonne und Zufriedenheit, Vergnügen und tiefer Frieden des Seins. 

Mit Sicherheit gibt es nirgendwo einen Weg, eine Reise, eine Suche oder einen Prozess in dieser Allgegenwart von Einssein, von reinem, bereits gegenwärtigem Bewusstsein, ein Sein, ein Leben, ein Ort und eine Aktivität. Dieses Eine bist du, ich, alle, hier, jetzt.In Einssein kann es keinen Weg geben.

Das Eine ist bereits eines. Alles des Einen istbereits und existiert genau hier, wo du bist, wo ich bin und wo alles ist, denn tatsächlich ist alles das Eine. Einssein oder ein jeglicher Ausdruck von Einssein kann nicht „getrennt“ oder „außerhalb“ seiner selbst existieren. Daher gibt es kein Lernen, keinen Fortschritt, keinen Zeitbedarf, kein „weniger fortgeschrittenes“ Sein versus „weiter fortgeschrittenem“ Sein. Ja, dies scheintes zu geben. Doch das ist nichts weiter als vernebeltes oder dämmriges Gewahrsein und dasist etwas völlig anderes als „nicht sein“ oder „noch“ nicht sein.

Die eine Wahrheit ist, dass es nur Einssein, Allgegenwart, Vollständigkeit gibt, und dass du dasbist, dass ichdasbin, dass alles Sein dasist. „Ich bin, der ich bin.“ Es gibt nur jetzthier,eins, daher gibt es nur ein Erfordernis: Einssein sein.

Wisse daher bitte, dass jede dieser Seiten über das Sein selbst spricht, darüber, wie wir das Gewahrsein (Bewusstsein) des einen Seienden sind, wie wir uns selbst als das Sein selbst erleben, dasesselbstals unser Sein ist.

Nicht eine Seite des Miracle Selfgibt uns Anweisungen für eine „Reise“, einen „Prozess“ oder eine „Praxis“. Tatsächlich habe ich das Wort „Praxis“ noch nie gemocht, denn es erweckt den Eindruck, noch nicht „dort“ zu sein, noch nicht spirituell genug oder gut genug zu sein und daher praktizieren und etwas erreichen zu müssen. Nein, das einzige Sein in der Existenz ist das Eine selbst, die eine Unendlichkeit und Allgegenwart des Seins selbst, Gott, Geist oder Bewusstsein selbst. Und dieses Eine ist bereits vollständig offenbar, gegenwärtig und als alles der Unendlichkeit der Existenz verkörpert. Lasst uns also in dieser Minute über den Eindruck und die Aktivität einer „Praxis“ hinausgehen und uns in das Gewahrsein begeben, dass wirdassind, wofür wir bisher nur „praktiziert“ haben.

Erwarte das Wunder der Wahrheit

Erwarte das Wunder,dass das eineDu ist, und erlebe es dann durch die konzeptuelle Wahrnehmung des Verstandes als harmonischer Körper, Familie, Zuhause, Arbeit, Beziehung, Gemeinschaft, Land und Welt. Du bist es hier und jetzt. Dein Sein ist das eine Sein der Unendlichkeit und der Ewigkeit selbst. Das Sein, welches du bist, und die Sichtbarkeit der Unendlichkeit, der Allgegenwart und der Harmonie des Einssein des Seins sind ein und dieselbe Erfahrung, ein und dieselbe Präsenz, Form, Aktivität, Ort, Leben; ein und derselbe Moment.

Lasst uns damit ein paar Minuten still sein. Schließe deine Augen, nimm vielleicht einen tiefen Atemzug, um ein paar Spinnennetze des endlichen, persönlichen Eindrucks davonwehen zu lassen …

Nun erinnere dich einfach sanft daran, dass das Ganze der Unendlichkeit des Geistes tatsächlich ist, was du bist. Deine Präsenz ist nicht „menschlich“, obwohl sie so genannt wurde. Die Schöpfung selbst ist das einzige Eine, das einzige Sein, die einzige Präsenz, die einzige Form, der einzige Geist, das vollendete Reich selbst – das Ganze Gottes selbst, das ganze Reich, das ganze Gewahrsein selbst. Nichts als das eine Sein ist das Sein, das du bist und das alles ist. „Ich bin der Herr und sonst ist keiner.“

Nun entspanne dich einfach völlig. Fühle, wie du alles aufgibst. Gib den menschlichen Eindruck auf und lasse das vollendete Reich sein, was es als du immer ist. 

Du brauchst nichts zu tun, nichts zu denken. Versuche nicht, irgendeine Wahrheit zu wissen. Lasse es einfach ein paar Minuten sein.

Einige Minuten Stille

Hast du etwas gefühlt? Vielleicht hast du das, vielleicht auch nicht. Wenn nicht, macht es keinen Unterschied. Als persönlicher Eindruck ist es wundervoll, wenn du die Präsenz von Ich, die Präsenz des Seins, als Frieden, Freude, Glückseligkeit, Euphorie, Entspanntheit, Loslassen fühlst. Aber siehst du, dass ein jedes Gefühl, das du erfährst, nicht mehr als eine Wirkung ist und daher keinen Unterschied macht? 

Das eine vollendete Reich, das du bist, das ich bin, das alles ist, ist – trotz allem, was du oder ich, vielleicht fühlstoder nicht fühlst.Istist ist!

Und dies ist das erste Gewahrsein: trotz mir, dem Eindruck von mir (und übrigens, manchmal, schätze ich, hat die Sprache keine andere Möglichkeit als in das zu rutschen, was dualistisch klingt, aber du weißt, dass das nie gemeint ist, also jedes Mal, wenn das passiert, erkenne bitte, dass wir nur eine sperrige Kommunikationsstruktur benutzen, um ein Gewahrsein zu vermitteln. Aber wir erkennen für immer, dass es nur einEinssein gibt, eineSubstanz, einSein, und dass wir dassind, „denn sonst ist keiner.“ Alle Wesen sind das Ganze, einfach individuell gewahr. Also trotz des Eindrucks des Seins, den ich habe, ist das Ganze das Einzige, daher ist das Ganze die Wahrheit des Seins, das ich bin und das alle sind. Es ist wie die Sonne. Ob wir die Vorhänge nun aufgezogenhaben oder nicht und ob unser Zimmer nun voll von Sonnenschein ist oder nicht, die Sonne scheint, die Sonne istgänzlichgegenwärtig, ist völlig sie selbst. Jeder Sonnenstrahl ist und hat die Gesamtheit der Sonne, denn die Sonne und der Sonnenstrahl sind eins, nicht zwei. 

Auf diese Weise, sind „Ich und der Vater eins“ und dieses Einsseinist der Grund, aus dem du, ich und alles überall das Ganze Gottessindund haben, das Ganze des Geistes, das Ganze des Guten hier, jetzt, ewig. Es gibt nichts „aufzuzeigen“, denn alles Ist bereits, ebenso wie der Sonnenstrahl nichts aufzuzeigen braucht, denn er ist bereits die gesamte Sonne als sein Leben, sein Körper, seine Menge, seine Aktivität, seine Sicherheit. Es ist das Gewahrsein von Ist, das uns befreit, das die grenzenlose Harmonie, Frieden und Ganzheit des wahrhaftigen Seins offenbart, einschließlich der sogenannten „materiellen“ Formen dieses einen Guten. 

Ich – das Ich, das Gott, Einssein, Ganzheit ist,das Istist – muss gegenwärtig und im Denken, im Gewahrsein, dem Gewahrsein des vollendeten Reiches selbst dominant sein, ungeachtetdessen, was der menschliche Verstand berichtet. Der menschliche Verstand berichtet von einem illusorischen, trüben Eindruckvon dem, was ist. Also ignoriere ihn. „Richtet nicht nach dem äußeren Schein, sondern urteilt gerecht.“

Nutzedein Denken, dein Bewusstsein, um dem gewahr zu sein, was du wirklich bist – deiner wahren Identität, die des Einen, des vollendeten Reiches. Sei dir trotz des endlichen Eindrucks gewahr, dass du tatsächlich das Ganze der Unendlichkeit bist, allgegenwärtig als das Sein, das du bist, mit der Freiheit des Unendlichen als deine unbegrenzte Ressource des ganzen Lebens und aller „Dinge“ des Lebens. Noch einmal, wir können verstehen, dass trotz der Tatsache, dass unsere Vorhänge zugezogen sind und nicht ein Sonnenstrahl in unserem Zimmer ist, die Sonnedennochistundwunderschön, strahlend, kräftig und voll scheint. Die Sonne istdie ganze Zeit die Fülle ihrer selbst, ob sie nun hier, an diesem Punkt des Gewahrseins, der „du“ oder „ich“ heißt, erfahren wird oder nicht. Erkenne auf diese Weise:Ich bin das gesamte Reich der Allgegenwart, das Eine, das die Fülle seiner selbst ist als das Sein, das ich bin, und das Sein, das alle sind.

Ignoriere den menschlichen Eindruck. Fange einfach an, zu erkennen, dass die Präsenz von dir tatsächlich, wortwörtlich das Ganze des Geistes selbst ist, in vollem Gewahrsein und voller Verkörperung seiner selbst. Das Ganze des Unendlichen ist sich hier gewahr als du, als ich, als alle. 

Also ob wir nun in der Stille Frieden fühlen oder Entspannung, eine tiefe Ruhe oder irgendetwas in der Art, wir dürfen niemals darüber urteilen, ob diese Zeit der Stille sozusagen „funktioniert“ hat oder „misslungen“ ist. Es gibt kein Misslingen, niemals. Trotz des menschlichen Eindrucks ist das einzige Sein Gott-Sein. Es gibt kein anderes; es gibt keine andere Wahrheit des Seins. Du bist Es, ich bin Es, alles Sein ist Es, trotz des menschlichen, vernebelten oder trüben Eindrucks. Das Wort „trotz“ ist wunderbar. Trotz dessen, was der Eindruck uns sagt, trotz aller Unstimmigkeit, die vielleicht in diesem Moment erfahren wird, ist die Wahrheit, ist die Wirklichkeit, die Tatsache, dass Ich bin, denn es gibt nur ein „Ich“ und ein „Bin“ – Gott selbst, der Himmel, Einssein, Allgegenwart selbst. 

Sei noch ein paar Minuten still, nun mit dem Gewahrsein, dass trotz all dessen, was du fühlst oder nicht fühlst, dbist,ich bin, das Eineist, das Reich Gottes ist– völlig präsent als genau das Sein, das du bist. Schließe deine Augen und sei einfach, trotz des Eindrucks von Menschsein, den du vielleicht spürst. 

Einige Minuten Stille

Der Unterschied zwischen Sein und Studieren wird von allen Schülernerfahren, egal was sie studieren. Es gibt eine wichtige Unterscheidung zwischen diesen beiden für einen jeden, der sich von der Notwendigkeit, zu studieren befreien und in die Freiheit des Seins durchbrechen möchte. Schaue dir irgendeine der Lehren der Welt an: Musik, Kunst, Ingenieurwesen, Luftfahrt, Literatur, Heimwerken, Kochen, Informatik, Brücken-, Straßen- oder Hausbau. Es gibt zwei Arten von Schülern: die einen fangen an und bleiben Schüler, die anderen werden zum Meister, zu einem Seienden statt einem Schüler. Ein „Schüler“-Bewusstsein bricht niemals zu dem Punkt durch, an dem es iststatt zu studieren. Meisterschaft wird nie erreicht. Das, was studiert wird, wird nie ein meisterhafter Ausdruck des Individuums. Er oder sie bleibt Schüler und bleibt abhängig von der Lehre. Das ist besonders wahr und für das spirituelle Erwachen wichtig zu verstehen. Solange das Gewahrsein sich nicht von dem eines „Schülers“ in das eines Seienden erhebt, werden die Schätze des Himmels nicht konkret als individuelle Erfahrung offenbar. 

Du kennst das. Du hast zum Beispiel Musikschüler gehört und gesehen, die ihr ganzes Leben Musik studieren, und doch ihr Instrument nie genug beherrschen, um ein Konzert zu geben. Tausende Menschen studieren jedes Jahr Schriftstellerei und sind doch nie in der Lage, ein Buch zu veröffentlichen. Ich habe Leute getroffen, um die vierzig, fünfzig Jahre alt, die einen Kurs an der Universität nach dem anderen besuchen. Sie werden professionelle Schüler, ohne je an den Punkt zu kommen, an dem sie das, was sie studieren, sind, es tun, es zum Ausdruck bringen, davon geben. 

Es ist nichts verkehrt daran, immer weiter zu studieren, wenn es uns erfüllt, unseren Verstand mit bloßem Wissen zu füllen. Aber wie uns Robert Browning sagte, „gibt es ein innerstes Zentrum in uns allen, wo die Wahrheit in Fülle ruht … und zu wissen … besteht darin, einen Weg freizumachen, auf dem die eingeschlossene Pracht ausbrechen kann.“ Für einen jeden, der die Früchte eines Studiums zum Ausdruck bringen möchte, muss sich das Studium ins Sein, insAusdrücken, ins Gebenerheben. Wie viel mehr ist das für das Studieren der Wahrheit des Seins wahr, oder besser gesagt für das „Entdecken“ der Wahrheit des Seins.

Also lass mich dir dies sagen: Höre von diesem Moment an zu „studieren“ auf. Erkenne, dass alles, was du bist, bereitsdie Wahrheit von dir ist, die Wahrheit von allem. Du bist eins mit dem Vater, einsalsdas Eine, eins alsdas Einzige, trotz allem geringeren oder menschlichen, das du vielleicht spürst. Selbst wenn deine Welt in gewisser Hinsicht oder in vielerlei Hinsicht chaotisch, krank, mangelnd, begrenzt, öde oder bedroht aussieht, ist es Tatsache, dass genau in diesem Moment Geist die einzige Präsenz ist und dass du dasbist. 

Das Eine Bewusstsein

Ein Schüler fragte einmal: „Was ist der Unterschied zwischen materiellem und spirituellem Bewusstsein?“ Ich sagte: „Es gibt überhaupt keinen Unterschied.“ Das überraschte den Schüler. Überrascht es dich? Nun, überlege einmal: Es gibt nur Geist. Es gibt nichts anderes. Es gibt nur ein Bewusstsein, ein Gewahrsein, eine Präsenz, eine Substanz. Es gibt nicht unterschiedliche Arten des Gewahrseins; es gibt nicht ein „menschliches“ oder „materielles“ Gewahrsein versus ein „spirituelles“ Gewahrsein. Nein. Es gibt nur ein Gewahrsein, eine Substanz, ein Sein, ein Bewusstsein. Es ist so, als würde man fragen, was der Unterschied zwischen hellem Mittagssonnenlicht und dämmrigem Abendsonnenlicht ist. Es gibt keinen Unterschied. Sonnenlicht ist Sonnenlicht. Nur die Wirkungist unterschiedlich. Auf diese Weise verstehen wir, dass Gott, Geist, Bewusstsein die einzige Substanz – Einssein – ist, und dass das, was wir fälschlicherweise „materielles“ Gewahrsein oder Bewusstsein genannt haben, nichts als spirituelles Bewusstsein ist (denn „sonst ist keines“),jedoch ein sehr vernebelter oder dämmriger Zustand oder Grad dieses einenBewusstseins. 

Es ist entscheidend wichtig, diesen Punkt zu erfassen.Sobald du Einssein verstehst, verlierst du augenblicklich den geteilten Eindruck des Seins – den Eindruck des Gewahrseins von Gott „und“, welcher die Erfahrung von Gott, dem All-Guten „trennt“. Es ist nur dieser Eindruck der Trennung von Gott, von Einssein, davon, dassalles Eines ist; es ist der falsche Eindruck des Seins von Gott „und“; der Eindruck von Sichtbarem „und“ Unsichtbarem, von Spirituellem „und“ Materiellem, der die Erfahrung unstimmig, mangelnd, begrenzt, traurig, unvollständig, krank macht. Wenn wir verstehen, dass trotz „unseres“ dämmrigen oder vernebelten, materiellen, konzeptuellen Eindrucks von Bewusstsein oder Sein, nur Gott ist– nur Einssein ist– dann hören wir auf, zu glauben, dass unsere konzeptuelle Erfahrung (die „materielle“ Welt) getrennt oder verschieden von dem Einen, Gott, dem All-Guten ist. Wir sind bald in der Lage, alles überall als Gott und nichts als Gott zu erfahren, wenn auch konzeptuell. 

Nur Einssein

Es gibt nur Eines, daher kann es nicht irgendein „anderes“ geben. Und tatsächlich gibt es nicht irgendein „anderes“, ganz gleich, was der materielle Eindruck berichtet. Die Tatsache, dass du überhaupt gewahr bist, bedeutet, dass du das eineGewahrsein bist – die Fülle des Geistes, völlig gewahr, völlig präsent, völlig seiend. Wenn du am Leben bist, bist du das eineLeben; wenn du bewusst bist, bist du das eineBewusstsein; wenn du Präsenz hast, bist du die einePräsenz, weil es keine „andere“ in der Gesamtheit der Unendlichkeit gibt. Du bistEs. Ich binEs, alle Wesen und Formen sinddas eineLeben, die eine Existenz, das eineSein, die einePräsenz, die eineUnendlichkeit, die eineEwigkeit. „Ich bin, der ich bin.“

Jedoch genau wie der Dimmer in unserem Zimmer, welcher die „Menge“ des Lichts kontrolliert, das die Lampe ausstrahlt, von voll erleuchtet bis dämmrig, so ist auch unser „menschlicher“ Grad des Gewahrseins dämmrig. Der „menschliche“ Grad an bewusster Erleuchtung ist so dämmrig oder vernebelt, dass wir kaum sehen können. Es ist die Dichte des Gewahrseins, welche es so erscheinen lässt, als ob Geist sich als materiell, physisch,gegenständlicherfährt. 

Aber alles ist das eine Bewusstsein, das eine Licht, die eine Präsenz, einfach dämmrig erfahren, wegen des dämmrigen Zustandsdessen, was wir menschliches Gewahrsein nennen. Ein dämmriges Gewahrsein verändert nicht das, was ist. Das, was ist, bleibt gleich; Gewahrseinvon Dem, was Ist, verändert sich, ist variabel, hat Grade von dämmrigem bis erleuchtetem Gewahrsein, Bewusstsein. 

Gott kann nicht von Geist in Materie verwandelt werden, und wird es auch nicht. Der Verstand verwandelt Gott nicht. Gott ist Geist! Und weil Gott unendlich und allgegenwärtig ist, gibt es nichts als Geist, unendlich und überall völlig präsent. Gott ist das eineEwige, das eineUnwandelbare, das eineKonstante, das eine unendliche,unveränderliche,allgegenwärtige Ich, Sein, Bewusstsein. Nur mein und dein individuelles Gewahrseinverändert sich von dämmrig zu erleuchtet und schließlich völlig erleuchtet. Aber Gott ist konstant. Gott ist! Daher ist absolut alles, überall ohne Ausnahme, unendlich und ewig dieses eineIst

Wir nennen ein geringes oder dämmriges Maß an Licht nicht etwas anderes als Licht. Wir kämen nie auf die Idee, dämmriges Licht als „materiell“ und helles Licht als „spirituell“ zu bezeichnen. Wir nennen es einfach ein geringes oder dämmriges Maß an Licht, aber trotzdem Licht. So ist es mit Bewusstsein. Wenn du überhaupt gewahr bist – und ich nehme an, dass du das bist! – dann ist dein Gewahrsein das eine Gewahrsein, das eine Bewusstsein. Es gibt kein anderes. Wir müssen das Wort „Materie“ oder „Materialität“ verlieren, in der Erkenntnis, dass alles, trotz Erscheinung und Erfahrung Geist und geistig ist. 

Habe beständig im Sinn, dass „Materie“ und „Materialität“ ein falscher Eindruck ist, daher ein falsches Wort, eine falsche Beschreibung. Es gibt keine Materialität. Es gibt einen materiellenEindruck, ja, aber es gibt keine wirkliche Materialität. 

Es gibt keine „materielle“ Realität und kein „materielles“ Bewusstsein, versus spirituelle Realität und spirituelles Bewusstsein. Wenn du in diesem Moment mehr dessen gewahr bist, was eine materielle, physische, körperhafte Welt zu sein scheint – und wenn du in diesem Moment scheinbar von dieser materiellen Erfahrung nach dem Grad des Mangels, der Begrenzung, des Unwohlseins, der Krankheit, der Einsamkeit, der Traurigkeit, der Ungewissheit oder Unsicherheit betroffen bist – dann ist tatsächlich das einzige, was passiert, dass dein Gewahrsein von dem, was istund dem, was du wahrhaft bist,„dämmrig“ ist. Der „Dimmer“ des Gewahrseins ist niedrig eingestellt, das ist alles. Dieser niedrige Grad an Gewahrsein ist kollektives Bewusstsein, der „menschliche“ Zustand des Gewahrseins, der einfach von dir akzeptiert wurde. Er aus sich selbst heraus ist nicht das Du, das du bist, sondern einfach das allgemeine (kollektive) Gewahrsein, welches unweigerlich von dir akzeptiert wurde. Er ist nicht ein wirklicher Seinszustand und er wird nicht von dir hervorgebracht. Er ist kollektiver Mesmerismus oder Hypnose und niemals Realität. Nur Gott – ungebundenes, bedingungsloses, allgegenwärtiges Gutes – ist Realität. 

Alles der „guten“ und „schlechten“ Erfahrung der Welt ist nichts als die volle Präsenz und Perfektion des Geistes, welcher dämmrig, nebelig und dunkel als menschlicher Eindruck gesehen wird. „Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild.“ (1. Korinther 13:12)

Kollektives Bewusstsein ist selbst der „Dimmer“, der „Stromregler“. Aber tatsächlich ist das ganze Bewusstsein – dein Bewusstsein hier und jetzt – die Fülle des Geistes, denn außer dem gibt es nichts. 

Erkenne nun, warum „studieren“ kein Weg zum Erwachen ist. Du bist bereitsdie Fülle dessen, was ist. Es ist vergeblich, das zu studieren, was du bereits bist und hast. Der Schlüssel zum Erwachen – zum schnellen Erwachen – ist, das Ist, das Gott ist, und daher das Ist, das du bist, das ich bin und das alle in Wirklichkeit sind, zu erkennen, denn „Ich und der Vater sind eins.“

Ich bin Das,auch wenn ich in diesem Moment vielleicht einen geringen oder vernebelten Eindruck von dem Ist, das ich bin, habe. Ich bin Es,denn es gibt nichts außer Ihm.Es gibt keinen Schüler. Kannst du dir vorstellen, wie Geist sich selbst studiert? Aus welchem Grund? Es gibt keine andere Präsenz als das Eine; also Präsenz sollte also studieren und wofür? Kannst du dir vorstellen, wie eine Lampe mit heruntergedrehtem Dimmer sich selbst für etwas anderes als Licht hält? Kannst du dir vorstellen, wie sie sich selbst für Dunkelheit hält und dann annimmt, sie müsse Licht studieren, um mehr erleuchtet zu werden? Nein! Die volle Kraft des Lichts ist bereits ihr wahrhaftiger Seinszustand. Der Grund der Dämmrigkeit ist der Stromregler.

Kollektives Bewusstsein ist der „Stromregler“ des spirituellen Gewahrseins. Aber du kannst jeden Moment dem Mesmerismus oder der Hypnose des Stromreglers entkommen, indem du dich direkt in Gottgewahrsein, Wahrheitsgewahrsein erhebst. Du erreichst dies, indem du wahrhafte Identität erkennst: Ich bin Das;Ichbindas Eine, und weil IchbinhabeIch. „Sohn, ich bin allezeit bei dir, und alles, was mein ist, das ist dein.“

Sei nicht länger ein Schüler. Lehne es ab, ein Schüler zu sein. Studiere nicht, sei! Sei der Seiende selbst;seidie eine Ganzheit wahrhaften Seins Selbst!

1Miracle-Self, Monatliches Transkript, Nr. 1, Übersetzung: Kevin Wolf

2„Spirit“ wurde in diesem Text mit „Geist“ übersetzt, während für „mind“ die Übersetzung „Verstand“ bzw. „Denken“ gewählt wurde. A. d. Übers.