Miracle Self

 

GOTT IST NICHT PERSÖNLICH1

 

 

Kannst du dir einen verrückten Freund vorstellen, der um Regen für ausschließlich seinen Garten betet? Kannst du dir vorstellen, dass dieser Freund, nachdem er glaubt, genügend Regen-Erkenntnis zu haben, sich in Stille begibt und auf seinen Regen wartet? Er wird ewig warten und er verdient es nicht anders! Zu erwarten, dass der Regen für ihn persönlich fällt, ist völlig unsinnig. Und noch unsinniger ist es, zu erwarten, dass das Prinzip Regen sich von seinem (eigenen) Prinzip-Sein löst. Ein Prinzip kann immer nur es selbst sein. Es kann niemals von sich abweichen.

 

Gottkann nicht von sich selbst abweichen. Daher kann die Offenbarung Gottes niemals von anderer Natur als Gott sein. Wenn wir das erwarten, scheitern wir. Dies ist ganz wichtig:NichtGott scheitert, wir scheitern. Wir mögen das anmutigste Gebet sprechen, die außergewöhnlichste Meditation erleben, in der entzückendsten Stille verweilen oder fühlen, wie tiefer, euphorischer Frieden unser Wesen durchflutet. Aber all das, kann nicht „nach außen“ in die Erfahrung „gelangen“, wenn wir erwarten, dass es uns persönlichen Gewinn bringt. Gott zu etwas Persönlichem zu machen, hält Gott davon ab, für unsere Wahrnehmung spürbar und sichtbar zu werden. Es ist verrückt, an einen persönlichen Gottzu glauben, der Vergünstigungen, Heilung, Erfolg, Sicherheit, Gerechtigkeit oder Frieden für einige, aber nicht alle zur Verfügung stellt. Wenn wir aneinen solchen Gott glauben, versuchen wir, aus Gott etwas Persönliches, etwas Lokales und Begrenztes zu machen. Gott jedoch – einschließlich unserer Erfahrung (Offenbarung) von Gott – kann von Gott nicht verschieden sein. 

 

Siehst du den vollkommenen Unsinn des Versuchs, persönlich Gott haben zu wollen und den Unsinn persönliche Resultate zu erwarten? Jedoch beten Millionen von Menschen in dieser Weise zu Gott. Sogar spirituelle Schüler der ganzen Welt meditieren für solch ein persönliches Gut und sitzen stundenlang in der Stille, in der Erwartung, dass das bei ihrem Gott „bestellte Gute“ eintreffen möge. Oh ja, sie benutzen „spirituelle“ Begriffe wie Meditation, Manifestation oder Sichtbar-werden-Lassenfür ihr Unterfangen, jedoch warten sie auf ewig. Warum? Es gibt keinen Gott, der dadurch ersichtlich werden oder etwas manifestieren könnte! 

 

„Ihr bittet und bekommt nicht, weil ihr in falscher Absicht bittet.“(Jak.3,3) Du beschäftigst dich mit der Wahrheit, betest, meditiert und sitzt stundenlang in Stille – das konkrete Erleben deines Guten bleibt jedoch aus, wenn du dich auf falsche Weise mit Wahrheit beschäftigst, falsch betest und meditierst. Die Wurzel falschen Bittens und falschen Erwartens ist der Versuch, Gott – in dem Glauben, dass Gott für dich und deine Bedürfnisse oder für das Gute irgendeiner Person, eines Dinges oder eines Umstands in deiner Welt ersichtlich werden kann – persönlich aufzufassen.

 

Lasst uns das Prinzip Gott ein für alle mal vernehmen. Gott (und jedes Synonym für Gott (Spirit, Wahrheit, Ich, Bewusstsein, Nicht-Körperhaftigkeit, Unendlichkeit, Allgegenwart, Allwissenheit, Allmacht, Leben, Liebe, Wohlstand, Frieden, Harmonie) können nicht „für“ oder „in“ einem persönlichen, lokalen Er, Sie oder Es erfahren werden, ganz gleich wie „spirituell“ dieser Mensch, das Bedürfnis oder der Wunsch auch sein mag.

 

Warum gute Menschen leiden

 

Aus diesem Grund erleben wir, dass sogar die heiligsten, selbstlosesten, die am meisten liebenden und großzügigsten Menschen – jene, die ihr gesamtes Leben der Hilfe Anderer widmen – im gleichen Maß an Krankheit, Verletzung oder Ungerechtigkeit leiden, wie der Rest der Menschheit. Aus diesem Grund erleben wir, dass spirituelle Schüler vor Leiden und dem Schmerz der Welt nicht mehr geschützt sind, als gewöhnliche Menschen. So sollte es nicht sein. Man sollte annehmen, dass die Erfahrung spiritueller Schüler anders sei, zumindest von der Mehrheit der Schüler. So ist es jedoch nicht. Warum? 

Man sollte denken, dass wir seltener krank werden und widerstandsfähiger gegenüber Mangel und Einschränkungen, die der Rest der Welt erfährt, sind. Dem ist jedoch nicht so. Wir alle kennen viele Schüler der Wahrheit, die an gesundheitlichen Problemen leiden, Mangel oder Begrenzung erfahren, die finanzielle Probleme, Beziehungsprobleme, Probleme zu Hause oder auf der Arbeit haben oder an Problemen aufgrund von Stress oder Unglücklichsein leiden. Es ist traurig und nur schwer mit anzusehen. Wenn wir aber solchen Kampf im Lichte unserer Erkenntnis des einen Prinzips der Wahrheit betrachten, erkennen wir den Grund: Sie suchen in falscher Absicht.

 

Meine Freunde, es liegt an uns – an jedem von uns – die Wahrheit so sehr ernst zu nehmen, ihr in einem so hohen Maß treu und hingegeben zu sein, dass wir selbst der Weg sein und ihn weisen können. Der Meister sagt uns Folgendes: „Denn es macht eurem Vater eine große Freude, euch das Reich zu schenken.“ (Lukas 12,32) Und: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“(Matt.7,16) Es ist das „Wohlgefallen“ des Prinzips, welches Gott ist, uns die unbegrenzten und bedingungslosen Früchte des Guten zu geben. Auf diese Weise – durch die spürbaren und sichtbaren Früchte in jedem Bereich unseres Lebens – weiß und sieht die Welt, dass wir Wahrheit besitzen. Nur indem wir Gottes Früchte schauen, offenbaren und der Welt die Schätze des Himmels geben, ist „mein Vater verherrlicht“ (Joh.15,8). Und die Früchte sind reichlich.

 

Nur in dem du das Prinzip Gottes, das Prinzip der Wahrheit verstehst und lebst „ist mein Vater verherrlicht“, wird Wahrheit in der alltäglichen Erfahrung spürbar und konkret. Nur als unpersönliches Selbst kannst du in der unpersönlichen Welt mit unpersönlichen Menschen, Dingen, Aktivitäten, Beträgen, Plätzen und Bedingungen leben – nur so kann Gott spürbar zum Vorschein kommen. Nur als unpersönliches Selbst kannst du allen, denen du begegnest, Gott „geben“ und mit allem, was du tust, Gott offenbaren. Nur als unpersönliches Selbst hast du das „Heilungsbewusstsein“, hast du die Präsenz, die Kranke und sogar Tote zu Leben und Vitalität erhebt, die Krankheit, Leiden und Verletzung vor deinen Augen verschwinden lässt, die Brote, Fische und Euros für die Hungrigen und Armen vermehrt, die Streitigkeiten, Unruhen und sogar Krieg befriedet. 

 

Harmonie im gesamten Körper des Gewahrseins

 

Indem wir unser Gewahrsein in und durch unseren wahren Körper – der die Unendlichkeit unseres Bewusstseins ist – ausdehnen, dort ruhen und verweilen, wissend, dass Gott alles ist, erfahren wir, wie unsere Körper heilen, sich unsere Beziehungen mit Liebe, Frieden und Bestimmung füllen, unsere beruflichen Tätigkeiten erblühen und sich unsere Welt harmonisch gestaltet.

 

Indem wir fortwährend das Selbst ebenso wie jede Form der Erfahrung entpersönlichen und in der Stille und Empfänglichkeit des unpersönlichen Selbst sehen, wie Gott als alles geschieht, sind wir der Gott unserer Erfahrung. Nur in dieser Weise „verherrlichen“ wir Gott. Wir verrichten dieArbeit Gottes, indem wir sehen, dass Gott keine Arbeit zu verrichten hat. Jeder von uns „wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun“(Joh.14,12).Dochdies ist nurmöglich, wenn wir das unpersönliche Selbst, dasGott als uns ist, lebenund sehen, wie Gott alles Sein, alle Dinge, Beträge, Plätzeund Umstände offenbart.

 

Wir sind nur der Gott (dieWahrheit) unserer Erfahrung, wenn wir keine Vorlieben, keine Meinung, keine Idee und kein Urteilhaben(„Richtetnicht nach demAugenschein“), sondern uns und unsere Welt mit jedem Detail und jeder Form Gott überlassen und Gott Gottsein lassen, als alles was wir sind und haben. Dannist Gott durch unsere Existenz „verherrlicht“ (sichtbar und spürbar). Dann ist Gott in, als und durch unser Bewusstsein erfüllt und ebenso als jede Person, jeder Platz und jedes Ding, das unser Bewusstsein berührt.

 

Trotz Glaube und Erscheinung ist Gott das Einzige. Und Gott ist unpersönlich und unparteiisch; daher ist alles unpersönlich und unparteiisch. Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“(Matt.5,45), weil Gott und alles, was Gott ist und hat, unpersönlich und unparteiisch ist. Höre die Worte! Allesist unpersönlich und unparteiisch. Wenn wir das Leben, die Liebe, die Unbegrenztheit, die Harmonie und die Ganzheit, die Gott ist, wollen, müssen wir Gott unpersönlich und unparteiisch und für ein unpersönliches, unparteiisches Gutes suchen. Wenn wir dies tun, können wir soviel Gutes in unserer Erfahrung haben, wie wir es wünschen – die Schätze des wahrhaften Selbst, von Geist, Körper und Welt ohne Begrenzung.

Die Sonne und der Regen werden nur erfahren, wenn wir verstehen, dass sie universell und nicht persönlich sind. Wir können nicht erwarten, dass die Sonne für uns, nur in unserem Garten scheint. Ebenso regnet der Regen auch nicht für unsund in nur unserer Umgebung. Sonne und Regen sindeinfach und können niemals persönlich und parteiisch sein.

 

Nun, wir mögensagen, dass wir das Prinzip der Sonne oder des Regens kennen und würden nie erwarten, dass sie nur für uns persönlich wirken. Wenn es sich aber um das Prinzip Gottes handelt, sucht nahezu jeder Menschnach einempersönliches Erleben. Wiederum, „ihr … bekommt nicht, weil ihr in falscher Absicht bittet“(Jak.3,3). Um die grenzenlosen Schätze Gottes als individuelles Sein und als Erde ins Erleben treten zu lassen, müssen wir unser Gewahrsein vom Örtlichen, Persönlichen und Nicht-Neutralen, in das Universelle, das Unpersönliche und das Neutrale erheben. Wenn wir uns in dem Glauben vorfinden, dass ein bestimmter Bereich, ein Organ oder eine Funktion des Körpers krank oder verletzt ist, oder ein anderer Bereich unseres erweiterten Körpers (dem Körper der Welt) Mangel oder Begrenzung erleidet und wir dann Gott suchen, um die Situation zu heilen, müssen wir rasch den Unsinn unserer Anstrengung erkennen undinnehalten. Gott dazu zu bringen, auf dieser Ebene des Gewahrseins zu heilen, führt nur zu einer Sache: zum Scheitern.

 

Das Geheimnis des Sichtbarwerdens

 

Aus folgendem Grund haben sogar langjährige spirituelle Schüler Schwierigkeiten ein Leben in Gesundheit, von Fülle, Harmonie und Ganzheit zu leben: Sie glauben noch immer, dass sie die scheinbar guten Dinge des Lebens benötigen und versuchen noch immer diese hervorzubringen, statt das höhere Gewahrsein anzustreben, aus dem diese Dinge sind. Wenn sie ein höheres Gewahrsein von Gott als allemanstreben würden, hätten sie so viele gute Dinge und Umstände, wie sie sich wünschten. Ein immer größeres, lebendiges Gewahrsein der Gegenwart Gottes als das Eine und Einzige ist das große Geheimnis Sichtbarwerdens. Nur wenn wir Gott als unser durchgehendes, bewusstes Gewahrsein haben, haben wir eine Fülle an guten Dingen und Umständen, denn Gott und Form sind eins.

 

Wir müssen unsere Vorstellung vom Leben aufgeben und unser gesamtes Selbst (einschließlich seines Universums der Formen und Erfahrungen) dem überlassen, was das Selbst wirklich ist – Gott. Indem wir das tun, entdecken wir, dass „nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir“ (Gal.2,20). Gott lebt mein Leben, denn Gott ist das einzige Leben, das ich bin und habe. Das bedeutet, dass Unendlichkeit und Allgegenwart als ich und als das Universum des Ichs leben.

 

Wenn Gott mein Leben lebt, ist alles unendlich und allgegenwärtig. Nichts ist begrenzt, endlich und es gibt keinen Mangel, denn Gott ist unendlich und allgegenwärtig, und Gott ist alles. In Wahrheit – in Gottgewahrsein – ist alles Sein, alle Form und alle Aktivität unendlich und allgegenwärtig, niemals endlich, lokal, begrenzt oder ungenügend. Doch müssen wir wiederum tiefgründig vernehmen: Gottist alles, Gott ist unendlich und allgegenwärtig, Gott ist Leben und Gesundheit, Gottist Fülle, Gottist Sicherheit, Gottist Wahrheit und Freiheit. Gott selbstist alles. Nichts anderes als Gott selbst wird für das spürbar Gute und die reiche Erfahrung von allem benötigt. Es ist das Gott-gelebte Selbst, welches die Unendlichkeit und die Allgegenwart derGott-gefüllten Welt lebt. Das ist der Schlüssel. Wenn das Selbst mit Gott gefüllt ist und wenn das Selbst seinen Geist, seinen Körper und seine Welt mit Gott füllt, dann ist die spürbare Erfahrung von Geist, Körper und Weltausund von Gott – aus Unendlichkeit, Allgegenwart, Leben, ausFrieden, ausFreiheit und ausder Erfüllungder Bestimmung.

 

Erkennst du nun, dass alles, was örtlich zu existieren scheint – jedes Er, Sie oder Es – nur ein örtlicher oder begrenzter Eindruck der Wirklichkeit ist und niemals Wirklichkeit selbst? Gott existiert nicht örtlich und da Gott die einzige Realität ist, ist nichts Örtliches in und aus sich selbst wirklich. Örtlichkeit ist lediglich ein begrenzter Eindruck dessen, was für immer nicht-örtlich, universell, unendlich, allgegenwärtig und nicht-körperhaft ist. Wenn wir glauben, dass irgendwelche Wesen oder Dinge in und aus sich selbst heraus etwas darstellen, erscheint uns ihre Präsenz als wirklich. Glaube ist jedoch nur Glaube, nicht Wirklichkeit. Einzig Gott ist wirklich und ist die einzige Wirklichkeit, die sich selbst zum Vorschein bringt. Einzig Wirklichkeit kannWirklichkeit zum Vorschein bringen.

 

Wenn du das hören kannst, hast du das ganze Geheimnis des Sichtbarwerdens.

 

Einzig Gott bringt sich selbst zum Vorschein und einzig Gott kannsich selbst zum Vorschein bringen. Ich kann es nicht, du kannst es nicht und selbst Jesus kann es nicht: „Ich kann nichts von mir selbst aus tun“ (Joh.,5,30), „… der Vater aber, der in mir bleibt, tut seine Werke.“(Joh.14,10) „Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater“(Matt. 11,27). Der „Vater“ ist Gott, der unendlich und nicht endlich ist, der allgegenwärtig und nicht lokal gegenwärtig ist, der Spirit und nicht Materie ist. Es ist das Vater-Bewusstsein – das Gott-Bewusstsein – welches die „Werke vollbringt“, welches heilt und befriedet und alles in der Erfahrung, das krank, arm, hungrig, unvollständig und unerfüllt zu sein scheint, harmonisiert und gedeihen lässt. Gott-Bewusstsein ist das Bewusstsein von Spirit, von Unendlichkeit, von Allgegenwart, des Einen. Gott ist kein endliches, örtliches Sein oder solch eine Entität. Und aus diesem Grund kann Gott nicht örtlich oder begrenzt zum Vorschein gebracht werden, egal wie viel wir von Gott brauchen oder wünschen, egal wie viel wir, beten, meditieren und in Stille sitzen.

 

Gott ist als sich selbst ersichtlich

 

Gott, welcher allgegenwärtig ist, kann nur als sich selbst ersichtlich werden. Allgegenwart ist vollständig, an jedem Platz und Punkt der Unendlichkeit zur gleichen Zeit gegenwärtig. Höre aber dies:Allgegenwartist vollständig gegenwärtig. Allgegenwart kann nicht als etwas, was sie nicht ist, ersichtlich und erfahrbar sein. Allgegenwart wird nicht zu einer „örtlichen“ Gegenwart, zu einer „objektivierten“ Gegenwart, zu „begrenzter“ oder „persönlicher“ Gegenwart (und kann es nicht werden). Allgegenwart ist unfähig sich zu verändern oder zu etwas Anderem oder Geringerem zu werden, als sie selbst ist.

 

Allgegenwart, die unfähig ist anders oder geringer als sie selbst zu sein, ist vollständig anund alsjeder Punkt der gesamten Unendlichkeit gleichzeitig – als sie selbst – ersichtlich.Hier haben wir den Schlüssel:Wenn wir etwas suchen, was Allgegenwart nicht ist, können wir dieAllgegenwart, die genau dort, wo wir siesuchen, vollkommen sichtbar und spürbar ist, nicht erkennen.

 

In gleicher Weise ist Gott, derUnendlichkeit ist, unfähig, begrenzt, örtlich, persönlich, ein Dingoder eine Gestalt zu sein. Unendlichkeit ist unfähig auf eine Bezeichnungreduziert zu werden, eine begrenzte Entitätzu sein, die zu einer bestimmten Zeit existiert und eine bestimmte Menge Raumeinnimmt. Unendlichkeit ist in der Tat an jedem Punkt ihrer selbst zur gleichen Zeit präsent; jedoch, müssen wir erkennen – und das ist wichtig –dass Unendlichkeit nur als sich selbst gegenwärtig sein kann; Unendlichkeit selbst – an jedem Punkt ihrer selbst zur gleichen Zeit. 

 

Gott, Nicht-Körperhaftigkeit, ist die einzige Präsenz. Dennoch könnenwir nicht leugnen, dass das ,waszu einhundert Prozent nicht-körperhaft ist, körperhaft (dicht, begrenzt, örtlich, gegenständlich undvon „anderen“Menschen, Dingen und Plätzen getrennt) erscheint. Dem ist jedoch nicht so. Erscheinung ist nicht Wahrheit. Wir haben einen körperhaften Eindruck von dem, was nicht-körperhaft ist. Das Nicht-Körperhafte ist für immer nicht-körperhaft, selbst wenn wir es körperhaft, als ein Er, Sie, Es, als Aktivität, Betrag oder Platz, wahrnehmen. Unser Glaube und unsere Verwirrung über die scheinbare Körperhaftigkeit von Selbst, Körper und Welt verändert nicht die Tatsache, dass alles nicht-körperhaft ist. Aus diesem Grund ist es völlig nutzlos sich an Gott, das Nicht-Körperhafte zu wenden und die Heilung unserer körperhaften Probleme und Krankheiten zu erwarten. Diese Probleme existieren nur in unserem körperhaften Glauben. In dem Moment, da wir unser Gewahrsein in das,was ist, erheben(in die Nicht-Körperhaftigkeit von allem), entdecken wir, dass unsere Erfahrung frei von Problemen und Krankheiten ist.

 

Gott kann nicht unseren falschen Eindruck von Körperhaftigkeit heilen und ihn in einen besseren falschen Eindruck verwandeln. Kein Prinzip kann einNicht-Prinzip heilen; das Prinzip der Mathematik kann keinen Fehler in der Mathematik heilen und ihn in einen kleineren Fehler verwandeln. Mathematik kann nur sie selbst und die Fülle ihrer selbst sein. Und da Gott nicht-körperhaft, unendlich, allgegenwärtig und ewig ist, ist alles unveränderbar ganz und vollständig –jedoch kann der körperhafte Glaube es nicht erkennen. Wir sind es, die unser Gewahrsein hin zu Gott erheben müssen, in das Nicht-Körperhafte, das Unendliche, das Allgegenwärtige, das Ewige. Dann sehen wir die Ganzheit, Harmonie und Gesundheit jeglicher Form.

 

Es ist vollkommen unmöglich, Gott als wirkliche und wahrhafte Form ersichtlich werden zu lassen, wenn wir fortfahren einen persönlichen, örtlichen, materiellen (nicht-gottgemäßen) Glauben zu haben. Einzig Gott ist und Gott ist vollständig und ohne Unterbrechung als alles präsent, einschließlich der Erfahrung, dass wir (in unserem nicht-gottgemäßen Zustand) glauben, Gott zu benötigen. Mit anderen Worten: Was wir uns wünschen, wofür wir beten, meditieren oder wofür wir in Stille sitzen, ist bereits vollkommen gegenwärtig und vollkommen sichtbar, spürbar als seine wahrhafte, ganze und harmonische Form manifestiert und offenbart. Jedoch können wir die wahrhafte Form nicht sehen, wenn wir glauben, dass sie etwas anderes sei, etwas Geringeres, etwasKörperhaftes.

 

Wenn wir uns mit spiritueller Wahrnehmung füllen, sind wir fähig, trotz der Erscheinung statt örtlicher Gegenwart Allgegenwart zu erkennen; das Nicht-Körperhafte, statt das Körperhafte; das Unendliche, statt das Endliche.

Wenn wir tief genug die Wahrheit, dass alles Allgegenwart ist, alles nicht-körperlich, alles unendlich ist erkennen, wenn wir erkennen, dass alles die eine, ewige und einzige Gegenwart ist, und wir diese Wahrheit wirklich bis zu dem Punkt kennen, dass sie das Blut unseres Blutes, der Knochen unserer Knochen und der Atem unseres Atems und die Sicht unserer Sicht geworden ist, wenn niemand und kein Umstand uns – trotz der Erscheinung – vom Gegenteil überzeugen kann, müssen wir nur noch in dieser Überzeugung ruhen und sehen, wie Gott als unsere täglichen Formen zum Vorschein kommt.

 

In diesem göttlichen Zustand des Seins, erleuchtet und füllt Allgegenwart unser Gewahrsein mit sich selbst, sodass wir uns ihrerals alles bewusst gewahr sind, statt des vernebelten Eindrucks, den wir von Allgegenwart hatten, als wir mit Glaube gefüllt waren. Wenn Allgegenwart (Wahrheit) unsere Sinne füllt, fühlen wir häufig die Präsenz von Frieden, Licht, fühlen eine Hitze, Freude oder ein Gelöst-Sein und Freiheit in Spirit. Es spielt keine Rolle, wie es gefühlt wird. Was zählt, ist unser Wissen, dass Wahrheit nun unsere Sinne füllt und ihr Bild und Gleichnis in unserer gesamten Erfahrung offenbart; dass die Wahrheit zutage tritt, während sich der Nebel des Glaubens auflöst.

 

Das Sein und die Formen werden weiterhin durch Geist wahrgenommen. Alles erscheint nach wie vor menschlich, weltlich, körperlich, materiell, endlich, gegenständlich, örtlich. Jedoch weiß und erfährt das erleuchtete Gewahrsein Wahrheit – Unendlichkeit, Allgegenwart, Leben, Harmonie und Ganzheit von allem. Dies wurde das „Heilungsbewusstsein“ genannt. Erleuchtetes Gewahrsein bedeutet die Befreiung der unerleuchteten Erfahrung. „Wo der Geist des Herrn ist, dort ist Freiheit.“ Die „dunklen“ Formen des unerleuchteten Gewahrseins sind mit Licht gefüllt, um die Ganzheit und Harmonie von Sein, Körper und Welt zu offenbaren. „Eines weiß ich: dass ich blind war und jetzt sehend bin!“ (Joh.9,25)

 

1)Aus dem Buch Spirituelle Heilung von Geist und Körper, Kapitel 17 

Übersetzung: Johannes und Helvi Bruch

 

Dieser Text ist im Heft EinsSein Mai/Juni 2019 veröffentlicht.